Biografie über Georg Hartmann erschienen
Georg Hartmann (1870-1954) führte die Gießerei zu einer neuen Blüte, indem er, dem Zeitgeist folgend, Schriftkünstler wie Paul Renner (Futura), Emil Rudolf Weiß (unter anderem Weiß Antiqua, Weiß Rundgotisch), Heinrich Wieynck (Phyllis), Heinrich Jost (Beton, Bauer Bodoni), Lucian Bernhard (Bernhard Antiqua, Bernhard Schönschrift, Bernhard Modern, La Salle), Konrad F. Bauer mit Walter Baum (Volta, Folio, Impressum) und Friedrich Hermann Ernst Schneidler (Schneidler Mediäval, Zentenar Fraktur, Legende) Druckschriften entwickeln ließ, die auch heute noch in den Bibliotheken großer Hersteller zu finden sind. Die Futura von Renner ist sicher eine der erfolgreichsten Schriften der letzten 90 Jahre geworden. Darüber hinaus erwarb er bis zum 2. Weltkrieg zahlreiche Gießereien, unter anderem A. Numerich & Co, Flinsch, Wilhelm von Maur, Brötz & Clock, Schriftgießerei Otto Weisert, Stuttgart, und gründete 1927 die Bauer Type Foundry in New York. In seinem Unternehmen erschienen zahlreiche bibliophile Werke, in denen die eigenen Schriften eingesetzt wurden.

Der schriftinteressierte Leser findet in der Biografie Ausführungen über die schriftgeschichtlichen Aspekte des Gießereigewerbes, die Bedrohung der Branche durch Satzmaschinen, die Zusammenarbeit mit den Schriftkünstlern und die politischen Einflüsse während beider Weltkriege.

Nach der Liquidation der Bauer’schen Gießerei im Jahre 1972 wurden ein Teil der Matrizen und die internationalen Nutzungsrechte an diesen Schriften an die Fundición Tipográfica Neufville in Barcelona verkauft. Diese Firma gehörte zur Bauer’schen Gießerei, als sie 1898 von Georg Hartmann erworben wurde. Sein Sohn Carlos Hartmann übernahm Neufville 1923, womit sie als selbstständiger Gießereibetrieb in Spanien weitergeführt wurde. Seit 1995 ist sein Enkelsohn Wolfgang Hartmann Alleininhaber und entwickelt unter dem Schriftenlabel Neufville Digital (ND) klassische Bauer-Schriften und kontemporäre Fonts in digitaler Form.

Einen weiteren Teil der Matrizen der Bauer’schen Gießerei erwarb der begeisterte Sammler Eckehart SchumacherGebler für sein 1994 gegründetes Museum für Druckkunst Leipzig. 2008 wurde der Schriftguss in Barcelona eingestellt. In Leipzig allerdings demonstrieren Schriftgießer im Rahmen des Museumsbetriebes noch heute die Funktion der Gießmaschinen.

Das Foto zeigt die Titelseite der Biographie. Sie ist im Böhlau Verlag erschienen. Georg Hartmann (1870-1954). Biografie eines Frankfurter Schriftgießers, Bibliophilen und Kunstmäzens von Andreas Hansert, ISBN-13 978-3205783220.