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Kis Antiqua Now TB Pro Semi Bold Italic

Erhard Kaiser, 2008 (Hildegard Korger, 1988/2008)
Item number 152001-4, Net price 99.00 EUR
Webfont available (Browser View)

Kurzinformation zur Schrift
Um keine andere Druckschrift gab es einen derart weitgehenden Streit wie um diese, die Jan Tschichold als die schönste der älteren Antiqua-Schriften bezeichnete. Lange Zeit galt sie als eine Schrift Anton Jansons. 1720 wurde ein großer Teil der Originaltypen im Katalog der »Ehrhardischen Gyßerey« in Leipzig gezeigt. Inzwischen wurde durch Forschungen von Beatrice Warde und vor allem durch György Haimann eindeutig nachgewiesen, dass der Schöpfer dieser Schrift der 1650 in der ungarischen Stadt Tótfal geborene Nikolaus Kis (gesprochen Kisch) war. Seine kalvinistische Kirchengemeinde hatte ihn nach den Niederlanden geschickt, um dort den Druck einer ungarischsprachigen Bibel einzuleiten. Er erlernte das Drucken und Stempelschneiden und fand besonders durch seine armenischen und hebräischen Schriften Anerkennung. Bei seiner Rückkehr nach Ungarn hatte er einer Notlage wegen einige seiner Matrizensätze an die Ehrhard’sche Schriftgießerei in Leipzig verkaufen müssen. In Ungarn druckte er mit eigenen Schriften, es kam aber zu religiösen Spannungen mit seinen Kirchenoberen. Er starb bereits um 1702. Die besonderen Merkmale der »holländischen Antiqua« von Kis sind große Mittelhöhen, relativ schmale Kleinbuchstaben und kräftige Versalien, die deutliche Gegensätze in der Strichfette zeigen. Die Kis-Antiqua ist weniger elegant als die Garamond, eher kalvinistisch nüchtern, aber im Ausdruck eigenwillig und voller Spannung. Die oberen und die unteren Serifen sind nur wenig eingekehlt, und das Versal-O sowie der Kleinbuchstabe o besitzen erstmals eine senkrechte Achse. In der von Hildegard Korger empfindsam und verantwortungsbewusst gezeichneten Replik wurde die Eigenart dieser sehr angenehm lesbaren und schönen Schrift gut getroffen. Für Typoart war klar, dass diese Schrift unter ihrem einzig richtigen Namen, als Kis-Antiqua, erscheinen muss. Die Schrift wird vor allem in der Belletristik eingesetzt werden.

Textauszug: Detlef Schäfer/Albert Kapr, aus »Fotosatzschriften Type-Design+Schrifthersteller«, VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1989.

Die Schriftfamilie »Kis Antiqua Now«

Im Zuge der Revitalisierung ihres Typoart Schriftbestandes beschloss die Firma Elsner+Flake 2006, die Typoart Kis Antiqua von Hildegard Korger in überarbeiteter Form und erweitertem Umfang als OpenType Pro-Variante zu veröffentlichen. Nach Rücksprache mit Hildegard Korger beauftragte Elsner+Flake den Leipziger Schriftentwerfer Erhard Kaiser mit der Durchführung des Redesigns und Ausbaus.


Kurzinformation über die Designer
Hildegard Korger wurde am 18. Juni 1935 in Liberec, Tschechoslowakische Republik, geboren. Von 1956 bis 1959 besuchte sie die Fachschule für angewandte Kunst Heiligendamm, Fachrichtung Gebrauchsgrafik. Anschließend studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Ihr wichtigster Lehrer im Grundstudium war Prof. Wolfgang Mattheuer. Prägenden Einfluss auf sie hatte das Studium in der Fachklasse von Prof. Dr. Albert Kapr.

Von 1963 bis 1965 war Hildegard Korger freischaffend als Gebrauchsgrafikerin tätig. 1965 Aspirantur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Prof. Dr. Albert Kapr. Neben der Wahrnehmung von Lehrverpflichtungen Veröffentlichung der Mappe »Schriftgestaltung«, Verlag der Kunst, Dresden, 1965. Während der Aspirantur Beginn mit der Arbeit an dem Fachbuch »Schrift und Schreiben«, Fachbuchverlag Leipzig, 1971. Bis 1990 erschienen acht Auflagen dieses Buches. Unter dem Titel »Handbook of Type and Lettering« wurde das Buch 1992 auch ins Englische übersetzt.

Ab 1968 arbeitete sie als Assistentin, danach als Oberassistentin und ab 1980 als Dozentin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, 1992 erhielt sie dort eine Professur. Von 1976 bis 1984 war sie zudem Beraterin für baugebundene Schrift beim Büro des Chefarchitekten der Stadt Leipzig. Von 1992 bis 1994 nahm sie zusätzlich eine Gastprofessur für den Schriftunterricht im Fachbereich Restaurierung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden wahr.

In der eigenen parallelen praktischen Arbeit entstanden bis 1990 zahlreiche schriftgrafische, kalligrafische und gebrauchsgrafische Arbeiten sowie Entwürfe von Satzschriften für Typoart Dresden. Dazu gehören u. a. ihre 1963 für den Handsatz in 14 bis 48pt gegossene und später für den Fotosatz aufbereitete Handschrift »Typo-Skript« sowie die Replik der »Kis Antiqua« (1984-1990), die als Mengensatzschrift für die Satzanlage Digiset 20T1 gefertigt wurde. Die Arbeit an ihrer bis dahin unvollendeten Unciale nahm sie erst wieder während ihrer Zusammenarbeit mit Elsner+Flake im Jahr 2007 auf.

Im Frühjahr 1999 beendete Hildegard Korger ihre Lehrtätigkeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Sie lebt heute in Hildburghausen und arbeitet zeitweise in Leipzig als Schriftentwerferin. Unter anderem entstand für Elsner+Flake in Zusammenarbeit mit Erhard Kaiser ihr Redesign der »Kis Antiqua«, gefolgt von dem Update der TypoSkript und einer freien Interpretation der Unciale unter dem Namen Cantus. [gf02/09]


Erhard Kaiser wurde am 23. Oktober 1957 in Quedlinburg geboren. Nach dem Abitur 1976 absolvierte er von 1979 bis 1984 ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, Fachbereich Buchgestaltung und Gebrauchsgrafik (Schrift-Ausbildung im Grundstudium bei Hildegard Korger, zudem Konsultationen im Bereich Schrift bei Prof. Gert Wunderlich und bei Prof. Dr. Albert Kapr). Nach seinem Diplom zum Thema »Skripturale Grafik und Buchgestaltung« (die Schrift Caslon Gotisch war ein Teil seiner dreiteiligen Diplomarbeit) arbeitete er seit 1984 freischaffend als Diplomgrafiker in Leipzig mit Lehrauftrag an der Fachschule für Werbung und Gestaltung, Berlin, im Fach Schriftgestaltung.

Gewinner des 1. Preises mit der Schrift Kleopatra und Anerkennungspreis für die Schrift Quadro bei dem nationalen [ehemalige DDR] Wettbewerb um den Entwurf neuer Akzidenzschriften 1985. (Beide Schriften wurden seinerzeit bei VEB Typoart digital produziert und sind heute als Bestandteil der Typoart Bibliothek im OpenType-Format wieder verfügbar.)

Seit 1986 Assistent an der Karl-Marx-Universität, Fachbereich Kunsterziehung, Schrift- und Buchgestaltung. Von 1986 bis 1992 Lehramt (unbefristete künstlerische Assistenz) an der Universität Leipzig, Fachbereich Kunsterziehung: Lehre in Schrift-und Buchgestaltung sowie Leitung der künstlerischen Werkstätten Typografie (Bleisatz-Setzerei) und Fotografie (Atelier und Labor). Von 1998 bis 2005 nahm Erhard Kaiser einen Lehrauftrag für Schrift an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel wahr. Er unterrichtete in Grundkursen Schriftschreiben und -zeichnen und hielt begleitende Vorträge. Ab 1984 führt er parallel auch Auftragsarbeiten auf den Gebieten Grafikdesign, Kalligrafie, Buchgestaltung und Typografie sowie zeitweise auch Fotografie für private und staatliche Auftraggeber und Werbeagenturen aus.

Seit 1992 arbeitet Erhard Kaiser verstärkt als Schriftentwerfer. Weithin bekannt sind unter anderem seine Schriftfamilien DTL Fleischmann, Prokyon und Antaris, die in den Jahren 1993 bis 2006 entstanden. Für Elsner+Flake überarbeitete und ergänzte er 2007 und 2008 in Zusammenarbeit mit Hildegard Korger die Schriftfamilie Typoart Kis Antiqua.


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